Reeperbahn / Kiez

Allgemeines

Obwohl St. Pauli ein bedeutendes Wohnquartier in Hamburg ist, kennt man den Stadtteil vor allem durch sein Vergnügungs- und Rotlichtviertel, dem Gebiet im Süden des Stadtteils das auch als der Kiez bezeichnet wird. Dieses umfasst jedoch nur ein behördlich festgelegtes Teilgebiet, in dem für die Gastronomie keine Sperrstunde gilt. Das betrifft die Reeperbahn, den Spielbudenplatz und weitere Parallel- und Seitenstraßen wie die Herbertstraße und die Große Freiheit. Tatsächlich gibt es auf St. Pauli größtenteils kleinbürgerliche Wohnstraßen oder Arbeitergegenden. Das Stadtviertel war auch bei Studenten und jungen Künstlern wegen der günstigen Wohnungsmieten, der zentralen Lage und des ausgesprochen vielfältigen und toleranten Milieus sehr beliebt. So gibt es auf St. Pauli noch einige fast parallel zueinander lebende soziale Schichten, die sich nur gelegentlich berühren. Außer den hier stattfindenden Veranstaltungen und Volksfesten sorgten auch immer wieder kriminelle Vorkommnisse für Berichte in der Presse: Bandenkriege zwischen Zuhältern, Nepp durch Gastronome und Körperverletzungen durch aggressive Gewalttäter. Als Vergnügungsviertel beherbergt St. Pauli eine Vielzahl an Musik-Clubs, Kneipen und Diskotheken unterschiedlichster Stilrichtungen und Qualität, die jedes Wochenende Ziel von Hamburgern und Touristen sind. Viele Musik-Trends kamen aus England und anderen Ländern über St. Pauli in die Bundesrepublik. Der Hafen diente auch als Tor und Umschlagplatz für neue Ideen und kulturelle Strömungen. Auf St. Pauli finden sich mehrere kleine Kunstgalerien, von denen einige von Künstlern selber geführt werden. Die Kneipe La Paloma am Hans-Albers-Platz wurde vom Maler Jörg Immendorff betrieben.

     


Wichtige Hinweise

Nachdem die Anzahl der Gewaltdelikte auf St. Pauli kontinuierlich angestiegen war, wurde 2007 ein Verbot für die Reeperbahn und die Seitenstraßen erlassen, Waffen, Messer und andere gefährliche Gegenstände mitzuführen. Die ansässigen Geschäfte wurden aufgefordert, keine Glasflaschen mehr zu verkaufen. Durch das Glasflaschenverbotsgesetz wurde 2009 auch das Mitführen von Glasflaschen und Gläsern in den Wochenendnächten und vor Feiertagen vollständig verboten und kann mit bis zu 5000 € Geldbuße bestraft werden. Gelbe Hinweisschilder grenzen das Gebiet ein.

  

 

 


Herbertstraße

Die Herbertstraße (ehem. Heinrichstraße) ist eine Straße in Hamburg, die seit Beginn der Bebauung im 19. Jahrhundert zur Prostitution (von heute rund 250 Frauen) genutzt wird. Sie liegt auf St. Pauli in der Nähe der Reeperbahn. Die Straße ist etwa 60 Meter lang und seit 1933 an beiden Enden mit Barrieren abgesperrt, so dass kein Einblick von außerhalb möglich ist. An diesen Barrieren sind seit den 1970er Jahren Schilder angebracht, die Minderjährigen und Frauen den Zutritt zu verbieten versuchen. Diese Schilder wurden von der Polizei „zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ und auf Bitten der Prostituierten angebracht. Juristisch ist die Herbertstraße allerdings ein öffentlicher Weg und darf de jure von jedermann betreten werden. In den Häusern an der Herbertstraße sitzen die Prostituierten auf Hockern in Schaufenstern, präsentieren sich und warten auf Freier, oder sprechen die männlichen Passanten bei geöffnetem Fenster an. 1967 drehte der Hamburger Regisseur Jürgen Roland in der Herbertstraße Szenen mit Prostituierten für den Film Polizeirevier Davidswache über die Davidwache an der Reeperbahn. Die Herbertstraße ist nicht nach einer speziellen Person benannt, sondern Teil eines Namenskonzeptes „männliche Vornamen mit alphabetisch fortschreitendem ersten Buchstaben“, genau wie die benachbarte Davidstraße.

 

 

 

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St.-Pauli-Theater (Webseite: HIER)

Das Theater liegt am Spielbudenplatz und ist das älteste Privattheater in Hamburg und eines der ältesten Theater in Deutschland. Der Theaterbau mit Zuschauerraum, der um 1898 eine reicher gestaltete Vorderfassade erhielt, entstand ebenfalls 1840/1841 und steht unter Denkmalschutz. Das Theater wird am 30. Mai 1841 als „Urania-Theater“ eröffnet und nach finanziellen Schwierigkeiten 1844 durch eine Aktiengesellschaft als „Actien-Theater“ weiterbetrieben. 1863 ersteigert Carl J. B. Wagner das Theater und nennt es fortan Varieté-Theater. 1884 übernimmt es Ernst Drucker (Ernst Drucker Theater) und spielt erfolgreich Hamburger Volksstücke. Der Polizist der benachbarten Davidwache Julius Schölermann schreibt das Stück Familie Eggers oder eine Hamburger Fischfrau, in dem die beliebte Figur Thetje mit de Utsichten auftritt. Aber auch ernste Stücke von Ibsen und Hauptmann werden gespielt. 1921 kauft Siegfried Simon das Theater. Als er 1924 stirbt, übernimmt seine Frau Anna die Leitung. In dieser Zeit bearbeitet Paul Möhring die Biographie des Hamburger Originals Zitronenjette zu einem Theaterstück, das zu einem legendären Erfolg wird. Als den Nationalsozialisten 1941 auffällt, dass Ernst Drucker Jude war, wird das Theater in St.-Pauli-Theater umbenannt. Die Familie Collien übernimmt 1970 das Haus. Freddy Quinns Musical Der Junge von St. Pauli wird uraufgeführt und auch die Zitronenjette weitergespielt. Unter den Nachfolgern Michael und Thomas Collien wendet sich das Theater von den niederdeutschen Stücken ab und mehr der Comedy und internationalen Tanz- und Musikshows zu. 2003 kommen Ulrich Waller und Ulrich Tukur zu Thomas Collien ans Haus. Mit Stars der deutschen Theater- und Kabarettszene erarbeiten sie wieder eigene Produktionen. Dabei sind so namhafte Schauspieler wie Eva Mattes, Ulrich Tukur, Peter Franke und Christian Redl, sowie Star-Kabarettisten wie Mathias Richling, Matthias Deutschmann, Georg Schramm und Horst Schroth. Seit 2007 vergibt der Förderkreis des St.-Pauli-Theaters den Ulrich-Wildgruber-Preis. Seit 2011 firmiert das St. Pauli-Theater mit dem Zusatz ehemals Ernst Drucker Theater.

 

 

 

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Schmidt Theater / Schmidts Tivoli (Webseite: HIER)

Das Schmidt Theater am Spielbudenplatz verfügt über zwei Spielstätten, das Schmidt Theater selbst und das nur wenige Schritte entfernte „Große Haus“ namens Schmidts Tivoli. Das Theater wurde von dem Unternehmer Corny Littmann gegründet. Das Schmidt Theater wurde am 8. August 1988 eröffnet; Schmidts Tivoli öffnete am 1. September 1991 im ehemaligen „Zillertal“ seine Türen. Zur Schmidt-Familie gehörten in den Anfangstagen „Herr Schmidt“ (Corny Littmann) und Lilo Wanders (Ernie Reinhard). Besonders beliebt war die Mitternachtsshow mit einem Überraschungsprogramm aus professionellen Kleinkunstnummern und Laiendarbietungen. Die einzelnen Nummern dauerten selten länger als wenige Minuten. Diese Mitternachtsshows wurden ab 1989 vom NDR aus dem Schmidt und ab 1993 aus Schmidt, Tivoli und anderen Lokalitäten im Fernsehen übertragen und machten das Schmidt Theater bundesweit bekannt. Es traten Künstler wie Rosenstolz, Olivia Jones, Marlene Jaschke, Christine Licht, Andre Eisermann, Georgette Dee, Konrad Stöckel und Kay Ray auf. Bis 1993 wurde die Mitternachtsshow einmal monatlich gesendet. 2004 musste das alte Schmidt Theater aufgrund von Baufälligkeit abgerissen werden. An seiner Stelle entstand ein Neubau, der seit dem 8. August 2005 das neue Schmidt Theater beherbergt. Trotz der modernen Fassade des neuen Theaters wurde im Inneren der plüschige Charme des alten Schmidt Theaters erhalten.

 

 

 


Operettenhaus (Webseite: HIER)

Das Theater wurde im Jahr 1841 nach dem Vorbild in Wien unter dem Namen Circus Gymnasticus mit 3000 Sitzplätzen eröffnet. 1864 wurde der Name in Central-Halle geändert. Der Bau brannte 1876 nieder, wurde aber schon ein Jahr später wieder eröffnet. Den Namen Operettenhaus Hamburg erhielt das heutige Musicaltheater 1920. 2007 wurde das Operettenhaus Hamburg in TUI-Operettenhaus umbenannt. Der Theatersaal bietet Platz für 1389 Gäste. Im Operettenhaus wurde u.a. die deutsche Erstaufführung der Skandal-Musicalrevue Oh! Calcutta! von Kenneth Tynan (1971), Heimweh nach St. Pauli mit Freddy Quinn und Anatevka mit Shmuel Rodensky aufgeführt, bevor nach finanziellen Problemen das Theater für einen symbolischen Preis an Musicalbetreiber verkauft wurde. Vom 18. April 1986 bis 2001 wurde hier das Musical Cats von Andrew Lloyd Webber aufgeführt. Nach der Zeit von Cats kam "Fosse - die Show" zur Aufführung, gefolgt von "Oh, what a Night!". Diese Shows liefen jeweils nur ein paar Monate. Am 3. November 2002 folgte Mamma Mia!, ein ABBA-Musical. Das sehr erfolgreiche Stück lief bis zum 8. September 2007. Vom 2. Dezember 2007 bis 26. September 2010 wurde das Musical Ich war noch niemals in New York von Udo Jürgens aufgeführt. Am 2. Dezember 2010 feierte dort Sister Act seine Deutschland-Premiere. Ab 2012 wird das Musical "Rocky" gezeigt, welches sich zum weltweiten Erfolg entwickelt hat.

  

 

 

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Imperial Theater (Webseite: HIER)

Das Imperial Theater wurde am 19. August 1994 in einem ehemaligen Premierenkino und späteren Pornokino eröffnet. Das Musiktheater mit 270 Plätzen hat sich wegen seiner Musicals (Grease, Rocky Horror Picture Show und viele mehr), Weihnachtsaufführungen und Kriminalstücke unter den deutschen Theatern einen Namen gemacht. Es ist zum festen Bestandteil der Hamburger Kulturszene geworden. Inzwischen hat das Imperial Theater den Schwerpunkt klar auf Krimis gelegt. Entsprechend bezeichnet man sich mittlerweile auch als „Hamburgs erstes Krimitheater“.

 

 

 

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Pulverfass Cabaret (Webseite: HIER)

Das Theater wurde im Jahre 1973 von Heinz-Diego Leers in Hamburg-St. Georg gegründet. Von der dort laufenden Straße namens Pulverteich leitet sich auch sein Name ab. Am 25. Oktober 2001 zog das Theater an die Reeperbahn in Hamburg-St. Pauli in ein ehemaliges Kino um. Heute ist das Pulverfass das größte Travestietheater Europas. Es bietet ein monatlich wechselndes Showprogramm mit täglich zwei Shows unter der Woche und drei Shows am Wochenende an. Gezeigt wird Travestie mit eigenem Programm: Imitatoren bekannter Stars, Comedy, Striptease und auch eine Men-Strip-Show. Das Publikum muss sich darauf gefasst machen, dass manche Künstler zum Schluss ihrer Darbietung ihr Geschlechtsteil entblößen, um zu beweisen, dass sie wirklich als Männer geboren wurden. Im Foyer befindet sich das dazugehörige Restaurant Teatro Lounge. Jedes Jahr findet ein Nachwuchswettbewerb statt.

 


Beatlemania Hamburg (Webseite: HIER)

Beatlemania Hamburg ist ein der britischen Rockband The Beatles gewidmetes Museum. Es ist als „Erlebnis-Ausstellung“ konzipiert und befindet sich am Nobistor 10. In unmittelbarer Nähe liegen der Beatles-Platz und die Große Freiheit, in deren Clubs die Beatles Anfang der 1960er-Jahre spielten und damit einen Meilenstein ihrer späteren Karriere legten. Die Ausstellung, über deren Eingang ein Yellow Submarine an der Fassade angebracht wurde, ist am 29. Mai 2009 eröffnet worden. Das Museum erstreckt sich über fünf Etagen mit elf verschiedenen Themen-Räumen. Diese widmen sich mit Original-Exponaten, interaktiven Elementen, Fan-Devotionalien oder dem Nachbau der Straße Große Freiheit im Stil der 1960er-Jahre den Beatles von deren Hamburger Zeit bis zu ihrer Auflösung. Das Museum ist täglich zwischen 10 und 19 Uhr geöffnet.

 

 

 

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Panoptikum (Webseite: HIER)

Das Panoptikum ist Deutschlands ältestes und größtes Wachsfigurenkabinett. Es wurde 1879 von dem Holzbildhauer Friedrich Hermann Faerber auf dem Spielbudenplatz an der Reeperbahn gegründet und ist seitdem in Familienbesitz. Derzeitiger Leiter ist Dr. Hayo Faerber, der Urenkel des Gründers. Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs das Panoptikum zu einem Museum mit 300 Figuren an, bevor es 1943 durch Brandbomben zerstört wurde. Mit 28 geretteten Figuren eröffnete das Panoptikum 1948 in einigen wiederhergestellten Räumen. Darunter auch eine 1941 geschaffene Figur von Adolf Hitler, deren Aufstellung zuvor von Nationalsozialisten verboten worden war und die heute in einer Szene mit den Geschwistern Scholl gezeigt wird. 1959/1961 wurde das heutige Gebäude am alten Standort neben dem Operettenhaus errichtet. Anfang 2007 erfolgte eine behutsame Neugestaltung bei dem der Charakter der Fassade im Stil der 1950er Jahre bestehen blieb. Das Panoptikum verfügt heute über 130 Figuren von historische Persönlichkeiten in wertvollen Kostümen, internationale Berühmtheiten und Hamburger Stars. Man kann beispielsweise die junge Fußball-Legende Uwe Seeler, die Schauspielerin Inge Meysel in den besten Jahren oder Neuzugänge wie Angela Merkel, Robbie Williams, Daniel Radcliffe als Harry Potter, Thomas Gottschalk oder Papst Benedikt XVI. betrachten. Ebenso ist eine Gruselszene und ein sogenanntes medizinisch-historisches Kabinett vorhanden. Im Vergleich zu den von Freizeitkonzernen heute mit großem technischen Aufwand betriebenen Anlagen, verweist das Hamburger Panoptikum in Bezug auf Ausstellungsfläche und Inszenierung eher auf die Ursprünge der Wachsfigurenkabinette. Die Herstellung einer Figur dauert mehrere Monate. Bis 1953 wurden diese Arbeiten vom Gründer und seinem Sohn Herrmann ausgeführt. Heute sind Saskia Ruth und Gottfried Krüger die ausführenden Künstler.

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Sankt Pauli Museum

in der Davidstraße (Geschichte des Stadtteils und seiner Menschen)

 

 

 

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Hamburger Schulmuseum

in der Seilerstraße (Hamburger Schulgeschichte)

 

 

 

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Erotic Art Museum Hamburg

in der Bernhard-Nocht-Straße (Erotische Kunst; geschlossen seit 2007)

 

 

 

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Restaurant Cuneo

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Das Cuneo ist das erste italienische Restaurant in Hamburg. Der Italiener Francesco Antonio Cuneo eröffnete sein Restaurant am 5. Mai 1905 auf St. Pauli in der Davidstraße 11, einer Seitenstraße der Reeperbahn. Es war das erste Speiselokal, das in Hamburg italienische Küche anbot. Neben dem Speisebetrieb war es zudem eine kleine Destille und Weinhandlung. Der Inhaber kam als Mitglied einer Gruppe von Straßenmusikern nach Hamburg und soll auch in dem Restaurant seiner Leidenschaft als Sänger nachgegangen sein. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten sich nur wenige Nichtdeutsche in Hamburg niedergelassen.

Francesco Antonio Cuneo leitete das Restaurant bis 1927 und übergab es an seinen Sohn Giovanni der es bis 1960 weiterführte. Er leitete das Restaurant auch während des Nationalsozialismus und der Zeit der englischen Besatzungsmacht. Zu dieser Zeit waren die Gäste vor allem Seeleute aus den verschiedensten Ländern. Von 1960 bis 1963 übernahm für drei Jahre Mafalda Cuneo das Speiselokal.

 

 

Franco Cuneo, der Enkel des Gründers führt das Restaurant seit 1963 in dritter Generation weiter. In den 60er Jahren stand das Restaurant kurz vor dem Aus. Es konnte aber mit der beliebter werdenden italienischen Kultur und Gastronomie in den 70er Jahren wieder erfolgreich wirtschaften. Neben der italienischen Küche macht sich das Restaurant in den 60er und 70er Jahren einen Namen wegen seiner politischen Solidaritätsbekenntnisse. Heute sind die Wände des Restaurants überhäuft mit Fotografien von ehemaligen berühmten Gästen und Kunstwerken. Hier u.a. der Film "Der Joker" mit Peter Maffay gedreht. Häufig ist es schwer, einen Platz zu bekommen.

     

Webseite: www.cuneo1905.de


Fotos: JHreisen / Texte: JHreisen - Wikipedia / Daten, Links ohne Gewähr (03.2014)